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Job-Angst 2026: Warum Schweizer Unternehmen jetzt um das Vertrauen der Jungen kämpfen müssen

  • Raphael Steinhöfel
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

In vielen Unternehmen ist der Fachkräftemangel weiterhin ein zentrales Thema. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie von Angestellte Schweiz und DemoSCOPE ein Bild, das HR‑Verantwortliche ernst nehmen sollten: Viele Arbeitnehmende in der Schweiz machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Besonders deutlich wird dabei, dass diese Unsicherheit nicht vor allem bei älteren Mitarbeitenden kurz vor der Pensionierung spürbar ist, sondern gerade bei den Jüngeren.


In einer volatilen Arbeitswelt spielen Unternehmen faktisch die Rolle eines „sicheren Hafens“. Nicht nur für die Stabilität der Jobs, sondern vor allem für das Vertrauen der Mitarbeitenden. Die Studie zeigt, dass genau diese Sicherheit gerade bei jungen Talenten zunehmend fehlt.

Wer heute mit jungen Talenten arbeitet, merkt schnell: Es geht längst nicht nur um Lohn, Titel oder Homeoffice. Es geht auch darum, ob sie sich in einem Unternehmen so sicher fühlen, dass sie ihre Entwicklung darin verankern können. Genau dort liegt aus meiner Sicht eine der grössten Herausforderungen für HR und Führung.



Der Sicherheits‑Check: Was die Zahlen zeigen

Die am 24. April 2026 veröffentlichten Ergebnisse sind ein klares Signal. Ein relevanter Teil der Befragten sagt, dass ihre persönliche Jobunsicherheit im letzten Jahr zugenommen hat. Fast jede zehnte Person hält es für eher oder sehr wahrscheinlich, die Stelle innerhalb der nächsten zwölf Monate unfreiwillig zu verlieren.

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Generationen. Während sich ältere Mitarbeitende insgesamt sicherer fühlen, ist die Verunsicherung bei den unter 35‑Jährigen deutlich höher. Für HR ist das wichtig: Vertrauen und Bindung funktionieren heute nicht automatisch, sondern müssen aktiv aufgebaut werden – genauso wie ein Hafen nur dann sicher wirkt, wenn er verlässlich geplant, erschlossen und gepflegt ist.



Die Unsicherheit entsteht im Unternehmen

Oft werden geopolitische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten oder technologische Umbrüche als Hauptgründe genannt. Die Studie zeigt jedoch etwas anderes: Für viele Mitarbeitende liegt die eigentliche Ursache der Verunsicherung im eigenen Unternehmen.

Die Strategie des Arbeitgebers wird als zentraler Unsicherheitsfaktor wahrgenommen. Auch Arbeitgeber und Geschäftsleitungen werden als Hauptverantwortliche dafür gesehen, dass die Jobunsicherheit zugenommen hat. Das zeigt aus HR‑Sicht sehr deutlich, wie wichtig transparente Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen sind. Nur so wird das Unternehmen für Mitarbeitende zu einem verlässlichen Hafen, statt zu einem Ort, an dem sie jederzeit abgelegt werden könnten.



KI verändert auch die Wahrnehmung

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind 2026 längst keine Zukunftsthemen mehr. In grossen Unternehmen werden solche Tools bereits spürbar eingeführt. Gerade in technischen Berufen stellt sich deshalb immer häufiger die Frage, welche Aufgaben bleiben und welche sich verändern.

Aus Gesprächen im HR‑Umfeld kenne ich den Eindruck, dass Unsicherheit vor allem dort entsteht, wo neue Technologie eingeführt wird, aber keine klare Begleitung stattfindet. Wenn Qualifizierung fehlt, wächst schnell die Sorge, ersetzt zu werden. Das gilt auch für Software‑Ingenieure und andere IT‑Fachkräfte, wenn Veränderungen angekündigt, aber nicht gut erklärt werden.



Was Unternehmen jetzt tun können

Die Studie zeigt auch, welche Massnahmen Vertrauen stärken können. An erster Stelle steht die Weiterbildung. Das ist kein Nebenthema, sondern ein zentraler Hebel für Bindung und Zukunftssicherheit. Wer Mitarbeitende befähigt, neue Skills aufzubauen, sorgt dafür, dass sie sich auch im technologischen Wandel nicht auf dem offenen Meer, sondern im Hafen des Unternehmens entwickeln können.

Ebenso wichtig ist psychologische Sicherheit. Mitarbeitende müssen Ängste ansprechen können, ohne Nachteile zu befürchten. Genau hier wird Mentoring besonders relevant: Wer junge Mitarbeitende gezielt begleitet, schafft Orientierung, stärkt Selbstvertrauen und zeigt, dass Entwicklung im Unternehmen ernst gemeint ist. Psychologische Sicherheit ist ebenbfalls wie ein Hafen für Mitarbeitende: Sie wissen, dass sie im Team anlegen, sich äussern und auch Fehler machen dürfen, ohne über Bord zu gehen.


Ein klarer Auftrag für HR

Wer junge Talente halten will, braucht mehr als gute Benefits. Er braucht einen klaren „sicheren Hafen“ für die Entwicklung – dort, wo psychologische Sicherheit, gute Führung und Mentoring zusammenkommen. Für HR‑Berater, Führungskräfte und Geschäftsleitungen heisst das: Wer diese Verbindung stärkt, schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch mehr Stabilität im Unternehmen.

Wenn Sie die psychologische Sicherheit im Team stärken und mit Mentoring sinnvoll verbinden möchten, lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuelle Situation im Unternehmen. Genau dort beginnt oft der Unterschied zwischen Unsicherheit und einem Arbeitsplatz, der sich auf die jeweilige Person wirklich stützen lässt.



Literaturverzeichnis

Angestellte Schweiz. (2026, 24. April). Angst um den Job hat zugenommen – vor allem bei den Jungen: Medienmitteilung zur repräsentativen Befragung durch DemoSCOPE.https://angestellte.ch/medien/medienmitteilungen/angst-um-den-job-hat-zugenommen-vor-allem-bei-den-jungen

 
 
 

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