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Job-Angst 2026: Warum Schweizer Unternehmen jetzt um das Vertrauen der Jungen kämpfen müssen

Martin Gafner
24. Apr.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Sept.

In vielen Unternehmen ist der Fachkräftemangel weiterhin ein zentrales Thema. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie von Angestellte Schweiz und DemoSCOPE ein Bild, das HR-Verantwortliche ernst nehmen sollten. Viele Arbeitnehmende in der Schweiz machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Besonders deutlich wird, dass diese Unsicherheit nicht nur bei älteren Mitarbeitenden kurz vor der Pensionierung spürbar ist, sondern gerade bei den Jüngeren.


In einer volatilen Arbeitswelt spielen Unternehmen faktisch die Rolle eines „sicheren Hafens“. Das betrifft nicht nur die Stabilität der Jobs, sondern vor allem das Vertrauen der Mitarbeitenden. Die Studie zeigt, dass genau diese Sicherheit bei jungen Talenten zunehmend fehlt. Wer heute mit jungen Talenten arbeitet, merkt schnell: Es geht längst nicht nur um Lohn, Titel oder Homeoffice. Es geht auch darum, ob sie sich in einem Unternehmen so sicher fühlen, dass sie ihre Entwicklung darin verankern können. Genau dort liegt aus meiner Sicht eine der grössten Herausforderungen für HR und Führung.


Der Sicherheits-Check: Was die Zahlen zeigen


Die am 24. April 2026 veröffentlichten Ergebnisse sind ein klares Signal. Ein relevanter Teil der Befragten sagt, dass ihre persönliche Jobunsicherheit im letzten Jahr zugenommen hat. Fast jede zehnte Person hält es für eher oder sehr wahrscheinlich, die Stelle innerhalb der nächsten zwölf Monate unfreiwillig zu verlieren. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Generationen. Während sich ältere Mitarbeitende insgesamt sicherer fühlen, ist die Verunsicherung bei den unter 35-Jährigen deutlich höher. Für HR ist das wichtig: Vertrauen und Bindung funktionieren heute nicht automatisch, sondern müssen aktiv aufgebaut werden. Ein Hafen wirkt nur dann sicher, wenn er verlässlich geplant, erschlossen und gepflegt ist.


Die Unsicherheit entsteht im Unternehmen


Oft werden geopolitische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten oder technologische Umbrüche als Hauptgründe genannt. Die Studie zeigt jedoch etwas anderes: Für viele Mitarbeitende liegt die eigentliche Ursache der Verunsicherung im eigenen Unternehmen. Die Strategie des Arbeitgebers wird als zentraler Unsicherheitsfaktor wahrgenommen. Arbeitgeber und Geschäftsleitungen werden als Hauptverantwortliche gesehen, wenn die Jobunsicherheit zunimmt. Das zeigt aus HR-Sicht sehr deutlich, wie wichtig transparente Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen sind. Nur so wird das Unternehmen für Mitarbeitende zu einem verlässlichen Hafen, statt zu einem Ort, an dem sie jederzeit abgelegt werden könnten.


KI verändert auch die Wahrnehmung


Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind 2026 längst keine Zukunftsthemen mehr. In grossen Unternehmen werden solche Tools bereits spürbar eingeführt. Gerade in technischen Berufen stellt sich deshalb immer häufiger die Frage, welche Aufgaben bleiben und welche sich verändern. Aus Gesprächen im HR-Umfeld kenne ich den Eindruck, dass Unsicherheit vor allem dort entsteht, wo neue Technologie eingeführt wird, aber keine klare Begleitung stattfindet. Wenn Qualifizierung fehlt, wächst schnell die Sorge, ersetzt zu werden. Das gilt auch für Software-Ingenieure und andere IT-Fachkräfte, wenn Veränderungen angekündigt, aber nicht gut erklärt werden.


Was Unternehmen jetzt tun können


Die Studie zeigt auch, welche Massnahmen Vertrauen stärken können. An erster Stelle steht die Weiterbildung. Das ist kein Nebenthema, sondern ein zentraler Hebel für Bindung und Zukunftssicherheit. Wer Mitarbeitende befähigt, neue Skills aufzubauen, sorgt dafür, dass sie sich auch im technologischen Wandel nicht auf dem offenen Meer, sondern im Hafen des Unternehmens entwickeln können. Ebenso wichtig ist psychologische Sicherheit. Mitarbeitende müssen Ängste ansprechen können, ohne Nachteile zu befürchten. Genau hier wird Mentoring besonders relevant: Wer junge Mitarbeitende gezielt begleitet, schafft Orientierung, stärkt Selbstvertrauen und zeigt, dass Entwicklung im Unternehmen ernst gemeint ist. Psychologische Sicherheit ist wie ein Hafen für Mitarbeitende: Sie wissen, dass sie im Team anlegen, sich äussern und auch Fehler machen dürfen, ohne über Bord zu gehen.


Ein klarer Auftrag für HR


Wer junge Talente halten will, braucht mehr als gute Benefits. Er braucht einen klaren „sicheren Hafen“ für die Entwicklung – dort, wo psychologische Sicherheit, gute Führung und Mentoring zusammenkommen. Für HR-Berater, Führungskräfte und Geschäftsleitungen heisst das: Wer diese Verbindung stärkt, schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch mehr Stabilität im Unternehmen. Wenn Sie die psychologische Sicherheit im Team stärken und mit Mentoring sinnvoll verbinden möchten, lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuelle Situation im Unternehmen. Genau dort beginnt oft der Unterschied zwischen Unsicherheit und einem Arbeitsplatz, der sich auf die jeweilige Person wirklich stützen lässt.


Fazit: Die Zukunft der Arbeit gestalten


Die Herausforderungen, die sich aus der Unsicherheit ergeben, sind nicht zu unterschätzen. Unternehmen müssen proaktiv handeln, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende sich sicher fühlen. Das bedeutet, dass Führungskräfte nicht nur auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen, sondern auch die Rahmenbedingungen schaffen müssen, die eine positive Entwicklung fördern.


Ein zentraler Aspekt ist die kontinuierliche Weiterbildung. Mitarbeitende müssen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten auszubauen und sich an neue Technologien anzupassen. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch eine langfristige Bindung an das Unternehmen.


Zusätzlich ist es wichtig, eine Kultur der offenen Kommunikation zu fördern. Mitarbeitende sollten sich sicher fühlen, ihre Bedenken zu äußern und Fragen zu stellen. Nur so kann ein echtes Gefühl der Sicherheit entstehen.


Insgesamt liegt es an den Unternehmen, die Weichen für eine positive Zukunft zu stellen. Indem sie die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen und aktiv an deren Entwicklung arbeiten, können sie nicht nur die Unsicherheit verringern, sondern auch eine starke und loyale Belegschaft aufbauen.


Literaturverzeichnis

Angestellte Schweiz. (2026, 24. April). Angst um den Job hat zugenommen – vor allem bei den Jungen: Medienmitteilung zur repräsentativen Befragung durch DemoSCOPE.https://angestellte.ch/medien/medienmitteilungen/angst-um-den-job-hat-zugenommen-vor-allem-bei-den-jungen


Wie wir Führungskräfte in unsicheren Zeiten begleiten, erfährst du auf unserer Seite Coaching für Führungskräfte.

 
 
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